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Vernichtungskrieg

 

Stichwort: Vertreibung

Nach Ende der Kampfhandlungen in Europa zogen die Sieger 1945 die Grenzen neu. Als Leitmotiv diente dabei die Absicht, nach diesem trotz aller deutschen Verhandlungsangebote kompromißlos zu Ende geführten Krieg das besiegte Deutschland dauerhaft zu schwächen. Bereits bald nach Kriegausbruch 1939 hatten deshalb die tschechischen und polnischen Ansprüche auf deutsches Gebiet bei den kriegführenden Mächten an Akzeptanz gewonnen. Der Effekt einer Vernichtung der deutschen Kultur in Ostdeutschland würde vielfältig sein, darüber war man sich bei den Planungsbehörden in London im klaren. Zum einen würde landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gehen und jeder künftige deutsche Staat deshalb noch abhängiger von Handelsverbindungen sein, die durch Blockade jederzeit abgeschnitten werden könnten. Zum anderen würde eine Enteignung und Vertreibung besonders jenen ostelbischen Grundbesitz treffen, hinter dem man bei den Alliierten die treibende Kraft einer deutsch-national orientierten Politik vermutete. Dies würde demnach indirekt die geplante Politik der Umerziehung unterstützen.

Aus diesem Grund ließen die Siegermächte der Entrechtung, Vertreibung und teilweisen Ermordung der ostdeutschen Bevölkerung 1945 ihren Lauf. Da es sich hierbei um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelte, gab es keinen formalen Vertrag oder Beschluß in dieser Hinsicht. Niemand wollte hierfür Verantwortung übernehmen. Auch das vielzitierte Potsdamer Abkommen blieb ein völkerrechtlich bedeutungsloses Papier und wurde von keinem Parlament der Siegerstaaten ratifiziert. Die Kalkulation, daß sich die Deutschen im Lauf der Zeit mit den geschaffenen Tatsachen abfinden würden, an denen sie ohnehin nichts mehr ändern konnten, ging auf. Zugleich bot man den Vertriebenen die Teilhabe an den wirtschaftlichen Chancen des deutschen Wirtschaftswunders und sorgte durch Unterwanderung ihrer politischen Organisation, des BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) für ihre politische Liquidierung.

Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland weigert sich bis heute, die Verbrechen an den vertriebenen Deutschen juristisch zu verfolgen oder für deren Eigentumsrechte einzutreten.

Literatur:

Brandes, Detlev: Der Weg zur Vertreibung: Pläne und Entscheidungen zum 'Transfer' der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen, München 2001

Gehrke, Roland: Der polnische Westgedanke bis zur Wiedererrichtung des polnischen Staates nach Ende des Ersten Weltkriegs, (Dissertation) Marburg 2001

Lutz Radtke: Entkommen, Graz 2007

Zayas, Alfred Maurice de: Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen, München 1979