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Vernichtungskrieg

 

Stichwort: Versailler Vertrag

Der Vertrag von Versailles beendete formell den Kriegszustand zwischen dem Deutschen Reich und einigen seiner Gegner des Ersten Weltkriegs. Er wurde am 28. Juni 1919 von Außenminister Hermann Müller unterzeichnet, nachdem er sechs Tage vorher vom Deutschen Reichstag mit 237 gegen 138 Stimmen gebilligt worden war.

Der Vertrag kam ohne Verhandlungen der Kriegsgegner mit Deutschland durch eine internationale Mammutkonferenz zustande, bei der die Siegermächte seine Bestimmungen untereinander aushandelten. Zu seinen Besonderheiten gehörte die im Artikel 231 aufgestellte Behauptung, Deutschland sei am Krieg allein Schuld gewesen. Obwohl diese Behauptung offenkundig unzutreffend war, was durch die Veröffentlichungen russischer Dokumente seitens der revolutionären sowjetischen Regierung noch einmal bewiesen wurde, diente sie als Begründung für weitreichende alliierte Ansprüche.

Zu den weiteren Besonderheiten des Vertrags zählte insbesondere die große Zahl an offenen Detailfragen in Angelegenheiten der Grenzziehung, der Abrüstung, wirtschaftlicher Regelungen und Finanzfragen. Da der Vertrag die Höhe der geforderten deutschen Zahlungen nicht festlegte, handelte es sich um einen "Blankoscheck", wie die englische Zeitung Economist feststellte. Der Vertrag verbot den in Wien bereits proklamierten Beitritt Deutsch-Österreichs zum Deutschen Reich und erzwang die zweite deutsche Teilung.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion traten dem Versailler Vertrag nicht bei.

Die einseitige deutsche Abrüstung auf ein Einhunderttausend-Mann-Heer ohne schwere Waffen und größere Kriegsschiffe, die vertragswidrig nie durch eine Abrüstung anderer Länder ergänzt wurde, sowie die sonstigen willkürlich interpretierbaren Einzelbestimmungen des Vertrags schufen die Basis für einen jederzeit möglichen Einmarsch alliierter Truppen in Deutschland, wie er 1923 im Ruhrgebiet stattfand und 1932/33 von Polen aus angedroht wurde.

Insgesamt ist der Versailler Vertrag nicht als Friedensvertrag, sondern als Instrument zur Fortführung des Krieges gegen Deutschland als Kaltem Krieg einzuschätzen.

 

Literatur:

Vertragstext: http://www.vertrag-von-versailles.de/

Haffner, Sebastian u.a.: Versailles 1919, München 2002

Keynes, John Maynard: Krieg und Frieden - Die wirtschaftlichen Folgen des Versailler Vertrags, (Neuauflage) 2006