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Vernichtungskrieg

 

Stichwort: Vernichtungskrieg

Unter einem Vernichtungskrieg versteht man den kompromisslosen, bewaffneten Krieg gegen einen Gegner, bis zu dessen intellektueller und/oder physischer Vernichtung. Diese Vernichtung kann durch Tötung oder Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen, ihre Enteignung, die Auflösung ihrer staatlichen Organisation oder beispielsweise auch durch kulturelle Umgestaltung erreicht werden.

Kennzeichnend für den Vernichtungskrieg ist insbesondere die Ablehnung jeder Form von Verhandlung mit dem Gegner. Da dessen Existenzberechtigung und Vertrauenswürdigkeit grundsätzlich verneint werden, fehlt eine gemeinsame Basis für Gespräche oder Abkommen.

Kennzeichnend für den Vernichtungskrieg ist im weiteren die bewußte Absicht mindestens einer Kriegspartei, ihn als solchen zu führen. Sie führt zu einem Verfall moralischer Hemmungen, von dem besonders die Vernichtungskriege des zwanzigsten Jahrhunderts gekennzeichnet waren. Als Reaktion auf diesen Verfall gehört es zu den Merkmalen des Vernichtungskriegs, der Gegenpartei eine Alleinschuld an diesem Krieg zu unterstellen. So versuchten die Nationalsozialisten ihren Vernichtungskrieg gegen die europäischen Juden mit einer angeblichen jüdischen Kriegsschuld zu rechtfertigen.

Der Begriff 'Vernichtungskrieg' kam nach den Erfahrungen mit den Materialschlachten des Ersten Weltkriegs und den 'Kriegsschuldparagraphen" der Versailler Friedensverträge in Gebrauch. Er wurde 1995 durch die Studie des beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundesrepublik arbeitenden Historikers Joachim Hoffmann über 'Stalins Vernichtungskrieg' in Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Gleichzeitig wandte die erste Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung den Begriff auf das 'Unternehmen Barbarossa', den deutschen Angriff auf die UdSSR an. Da die Ausstellung große fachliche Mängel und zahlreiche unzutreffende Behauptungen enthielt, mußte sie 1997 geschlossen werden. Dennoch setzte sich der Begriff Vernichtungskrieg für das 'Unternehmen Barbarossa' in der Folgezeit im wesentlichen durch, auch wegen einer überarbeiteten Neuauflage der Ausstellung.

Die Kompromisslosigkeit des zwischen 1939 und 1945 gegen Deutschland geführten Krieges und die Ereignisse der Nachkriegszeit wie Vertreibung und Umerziehung kennzeichnen diesen Krieg als einen Vernichtungskrieg gegen das Deutsche Reich als Staat und Begriff.

Literatur:

Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Führerstaat und Vernichtungskrieg, München 2000

Hoffmann, Joachim: Stalins Vernichtungskrieg, München 1995