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Vernichtungskrieg

 

Stichwort: Stahlpakt

Am 23. Mai 1939 schlossen Italien und Deutschland einen Bündnisvertrag, den sogenannten "Stahlpakt". Er war als Antwort auf das im Vormonat geschlossene Dreierbündnis aus England, Polen und Frankreich angelegt und wiederholte teilweise fast wörtlich die dort gebrauchten Formulierungen. Wie zwischen England, Polen und Frankreich galt die gegenseitige Bündnisverpflichtung zwischen Italien und Deutschland ohne Einschränkung. Wenn ein Partner Krieg führte, ob zur Verteidigung oder als Angriffskrieg, mußte der andere mitziehen.

In London war "für den Fall einer unmittelbaren oder mittelbaren Bedrohung der Unabhängigkeit jedes der beiden Länder" gegen die eine der Regierungen den "Widerstand ihrer nationalen Wehrmacht als unerläßlich ansehen würde" militärischer Beistand vereinbart worden. Es mußte also kein bewaffneter Angriff auf einen Vertragspartner vorliegen. Der englisch-französisch-polnische Pakt wurde auch wirksam, wenn beispielsweise Polen einen Angriff gegen Deutschland führen würde. In diesem Fall mußten England und Frankreich an der Seite Polens eingreifen.

Der Stahlpakt entgegnete ähnlich: "Art. III. - Wenn es entgegen den Wünschen und Hoffnungen der Vertragschließenden Teile dazu kommen sollte, daß einer von ihnen in kriegerische Verwicklungen gerät, wird ihm der andere Vertragsgenosse sofort als Bundesgenosse zur Seite treten und ihn mit allen seinen militärischen Kräften ..... unterstützen."

Auch hier waren die Bedingungen nicht daran geknüpft, daß eine Vertragspartei angegriffen worden war.

Beide Verträge stellten mit ihrer unbedingten Bündnispflicht ein Novum in der europäischen Diplomatiegeschichte dar. Sie waren ein Symptom für den Verfall der Diplomatie dieser Ära. In den Folgemonaten erwiesen sich beide Verträge als nur begrenzt brauchbar. Weder griffen die beiden Westmächte nach dem 1. September militärisch auf der Seite Polens ein, wozu sie vertraglich verpflichtet waren, noch erklärte Italien den Westmächten und Polen den Krieg.

Literatur:

Stefan Scheil: Fünf plus Zwei - die vereinte Entfesselung des Zweiten Weltkriegs, Berlin 2006