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Vernichtungskrieg

 

Stichwort: Ribbentrop, Joachim von

Joachim von Ribbentrop (1893-1946) deutscher Politiker und Diplomat, 1936-1938 Botschafter in London, 1938-1945 Außenminister

Joachim von Ribbentrop stellte als erfolgreicher Großhändler im inneren Kreis um den Staats- und Parteichef Hitler insofern eine Ausnahme dar, als er wirtschaftlich unabhängig und nicht auf Einnahmen aus der Politik angewiesen war. Er fand 1932 den engeren Kontakt zu Hitler und spielte mit seinen Beziehungen zu einflussreichen Kreisen in Berlin eine wesentliche Rolle bei den Verhandlungen im Vorfeld der nationalsozialistischen Machtübernahme, die in seinem Haus stattfanden.

Seit 1933 nahm Ribbentrop mit von ihm geleiteten "Dienststelle Ribbentrop" eine wichtige Rolle bei der Formulierung der nationalsozialistischen Außenpolitik ein, was auch in seiner Bezeichnung als "außenpolitischer Berater der Reichsregierung" zum Ausdruck kam. 1935 erreichte er in dieser Funktion das deutsch-englische Flottenabkommen, das die Begrenzungen der deutschen Flottenrüstung durch den Versailler Vertrag aufhob. Mit ihrer Unterschrift unter dieses Abkommen erklärte die englische Regierung den Versailler Vertrag politisch und juristisch für tot.

1936 wollte Hitler ihn zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ernennen, doch zog Ribbentrop statt dessen den Botschafterposten in London vor. Dort versuchte er, ein deutsch-englisches Bündnis zu erreichen. Dieser Versuch geriet in die innerenglischen Auseinandersetzungen zwischen der Churchill-Gruppe und Premier Chamberlain und daher musste Ribbentrop Ende 1937 seine Anstrengungen für gescheitert erklären. In seinem Abschlußbericht riet er Hitler, England von jetzt an jeden Tag unter dem Aspekt eines möglichen Hauptgegners Deutschlands zu betrachten. England werde ein entschlossener, harter und kriegsbereiter Gegner sein. Trotz dieser klaren Aussagen geriet Ribbentrop durch gezielt gestreute Gerüchte in den Ruf, Großbritannien gegenüber Hitler als schwach und dekadent geschildert zu haben. Auch in anderen Bereichen konzentrierte sich auf die Person Ribbentrop eine außergewöhnliche Anzahl grotesker Gerüchte.

Seit Februar 1938 Außenminister, unterzeichnete Ribbentrop im August 1939 den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, der als Auftakt für eine Konferenzlösung der deutsch-englisch-polnischen Krise gedacht war. Später führte der Pakt zu Ribbentrops Konzept einer längerfristigen Konstellation, dem Kontinentalblock der Staaten Italien, Japan, Sowjetunion und Deutschland. Die Kündigung des Abkommens durch Molotov im November 1940 machte dies unmöglich.

Ribbentrop befürwortete eine Außenpolitik, die auf der althergebrachten Großmachtarithmetik des europäischen Staatensystems basierte. Den ideologischen Radikalismen des nationalsozialistischen Regimes stand er eher fern, was ihn nach 1941 in zunehmende Isolation innerhalb des Regimes führte, obwohl Hitler den von ihm angebotenen Rücktritt ablehnte. 1946 verurteilte ihn das Nürnberger Tribunal zum Tod.

 

Literatur:

Ribbentrop, Joachim v.: Zwischen London und Moskau, Leoni 1954

Ribbentrop, Rudolf v.: Mein Vater - Erlebnisse und Erinnerungen, Graz 2008

Michalka, Wolfgang: Ribbentrop und die deutsche Weltpolitik - außenpolitische Konzeptionen und Entscheidungsprozesse im Dritten Reich, München 1980