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Vernichtungskrieg

Stichwort: Hungerplan

Im Zusammenhang mit den Wehrmachtsausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung hat seit Mitte der 1990er Jahre die Behauptung an Popularität gewonnen, deutsches Militär und die Ministerialbürokratie hätten vor dem Angriff auf die UdSSR einen Hungerplan gegen die sowjetische Zivilbevölkerung entworfen. Nichts in den Quellen deutet jedoch darauf hin, daß ein solcher Mordplan von der deutschen Staats- und Militärführung beschlossen worden wäre. In den Dokumenten der deutschen Planungsbehörden wird an einigen Stellen die - sachlich unrichtige - Ansicht vertreten, ein Verhungern von Teilen der russischen Zivilbevölkerung sei im Kriegsfall unvermeidlich. An keiner Stelle wird jedoch behauptet, der Hungertod der russischen Bevölkerung sei von wem auch immer in der NS-Hierarchie erwünscht oder solle willkürlich herbeigeführt werden. Dementsprechend gab es keinerlei nachweisbare Beschlußfassung in dieser Hinsicht, und es sind auch keine Planungsansätze bekannt, die an sachlichen Hindernissen gescheitert wären. Weder die bekannten Dokumente noch die tatsächlich ergangenen Anordungen lassen einen Hungerplan erkennen.

Literatur:

Arnold, Klaus-Jochen: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion, (Dissertation) Berlin 2004

Scheil, Stefan: 1940/41 - Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs, München 2005