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Vernichtungskrieg

Stichwort: Generalplan Ost

Unter dem Stichwort 'Generalplan Ost' werden verschiedene Planungen verstanden, in denen Mitarbeiter der SS seit Kriegsbeginn 1939 ihre Vorstellungen über die wünschenswerte Raumordnung in Osteuropa für den Fall eines deutschen Sieges skizzierten. In einer erhaltenen und dokumentierten, ausgearbeiteten Form wurde der 'Generalplan Ost' im Juni 1942 von Heinrich Himmler gebilligt.

Diese Version des Generalplans sah die Errichtung deutscher Siedlungen auf dem Gebiet der früheren Republik Polen, im Baltikum, dem Großraum Leningrad (Ingermanland) und der Krim vor. Dazu sollten Verbindungstrecken zwischen diesen Gebieten ebenfalls deutsch besiedelt werden.

Anders als häufig kolportiert (1) enthielt diese Version des Generalplans, die nach 1945 lange Zeit nicht einsehbar war, (2) keine Absicht zur Vertreibung oder Ermordung der dort bisher ansässigen Bevölkerung. In dem Dokument wird statt dessen ausdrücklich gesagt, daß die Pläne zur deutschen Besiedlung nur mit Übereinstimmung und Unterstützung dieser Bevölkerung umsetzbar seien. (3) Man hoffte demnach, diese Unterstützung durch Verteilung von Land und allgemeine Vorteile einer besseren Infrastruktur erzielen zu können.

Die im Nürnberger Prozeß präsentierte und bis heute vielzitierte "Stellungnahme und Gedanken zum Generalplan Ost", die aus der Feder eines Dr. Wetzel stammen sollen, (4) spricht von einer im Generalplan erwähnten millionenhaften Vertreibung und Ermordung der polnischen, tschechischen, ukrainischen Bevölkerung und anderen Bevölkerungsgruppen. Dies steht im Widerspruch zum tatsächlichen Inhalt des Generalplans, so weit er belegt ist

Literatur:

Czeslaw Madajczyk (Hrsg.): Vom Generalplan Ost zum Generalsiedlungsplan. Dokumente, München 1994

Helmut Heiber: Der Generalplan Ost. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Dokumentation 6, 1958, Heft 3, S. 281-325, Online verfügbar

Anmerkungen:

(1) So unter anderem auf dem Desinformationsportal Wikipedia im Artikel zum Generalplan Ost

(2) Auch Helmut Heiber stand er 1958 noch nicht zur Verfügung. Vgl. Heiber, Generalplan, S. 289

(3) Vgl. Madajczyk, Generalplan, S. 128 f.

(4) Dokumentiert von Helmut Heiber in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte 1958, Heft 3, S. 281-325