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Vernichtungskrieg

 

Stichwort: Fall Grün

Unter der Bezeichnung „Fall Grün“ wurden seit dem Spätjahr 1937 in Deutschland Überlegungen für eine mögliche Eroberung der damaligen Tschechoslowakei angestellt. Hintergrund dieser Planungen war die von Hitler in der sogenannten Hoßbach-Besprechung am 5. November 1937 geäußerte Absicht, die Tschechoslowakei zu zerschlagen. Notfalls sollte das mit militärischer Gewalt Mitte der 1940er Jahre geschehen, aber er glaube, daß die Westmächte sowohl Österreich als auch die „Tschechei“ bereits abgeschrieben hätten, äußerte Hitler an diesem Tag.

Der Anschluß Österreichs an Deutschland im März 1938 veränderte die bis dahin für die Tschechoslowakei günstige militärische Verteidigungsposition, da die gegen ein Deutschland in den Grenzen von 1937 ausgerichtete und gut ausgebaute tschechische Festungslinie nun südlich umgangen werden konnte. Auch die politische Szenerie Europas geriet über Österreich hinaus in Bewegung.

Im April 1938 forderte der spätere britische Regierungschef Winston Churchill die Tschechoslowakei auf, von sich aus einen Krieg zu provozieren, da Deutschland die Tschechoslowakei in nächster Zeit nicht angreifen würde. (1). Am 21. Mai 1938 begann die Tschechoslowakei tatsächlich mit der militärischen Mobilmachung. Als Vorwand dienten angebliche deutsche Truppenbewegungen, die es allerdings nicht gegeben hatte.

Dies faßte Hitler als Provokation auf und ließ den Fall Grün nun fertig ausarbeiten, mit dem 1. Oktober 1938 als möglichem Stichtag. Die weitere internationale Entwicklung im Sommer 1938 bestätigte jedoch die Prognose, daß die Westmächte Frankreich und Großbritannien nicht bereit waren, die Tschechoslowakei militärisch zu unterstützen. Kriegsbefürworter wie Winston Churchill konnten sich innenpolitisch nicht durchsetzen. Die Krise um die Tschechoslowakei endete daher mit dem Münchener Abkommen, das die Sudetendeutschen Gebiete in Böhmen und Mähren an Deutschland überschrieb.

(1)  Tschechoslowakischer Bericht über Äußerungen von Churchill am 21. April 1938, Vgl. Vaclav Kral: Das Abkommen von München 1938, Prag 1968, S. 117.

 

Literatur:

Vaclav Kral: Das Abkommen von München 1938, Prag 1968

Stefan Scheil: Churchill, Hitler und der Antisemitismus, Berlin 2008