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Vernichtungskrieg

Buchbesprechungen:

Bernd Schwipper: Deutschland im Visier Stalins, Gilching 2015, 552 S., Vorwort von Stefan Scheil

Der Verlag bewirbt das Buch als „Knüller“ und in der Tat muß man von einem bahnbrechenden Werk sprechen. Bernd Schwipper, promovierter Militärhistoriker  und früherer Generalmajor der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik, zeichnet den Aufmarsch der Roten Armee im Jahr 1941 und deren Befehlslage nach. Das ist tatsächlich ein Knüller, weil die historische Fachwelt sich noch immer schwer mit der Einsicht tut, daß die Rote Armee im Sommer 1941 zum Angriff in Richtung Westen aufmarschiert war und es sich daher bei dem deutschen Unternehmen Barbarossa um einen Präventivkrieg gehandelt hat, der einem russischen Angriff zuvorkommen wollte und objektiv zuvorgekommen ist.

Schwipper betont diese Erkenntnis am Ende seiner Darstellung noch einmal. Er kann das tun, nachdem er zuvor die russischsprachige Fachdiskussion und eine große Zahl russischer Quellen aufgearbeitet hat, die sonst im Westen regelmäßig unberücksichtigt bleiben. Das Gerede des deutschen Militärgeschichtlichen Forschungsamts über diese Frage berücksichtigt diese ganze Faktenlage überhaupt nicht. Man kann davon ausgehen, daß sie dort nicht bekannt ist und wenn bekannt, dann öffentlich totgeschwiegen werden würde.

Nach Schwippers Detailanalyse der Marschbewegungen sowjetischer Truppen, der Befehle, denen sie gefolgt sind und der zugrundeliegenden sowjetischen Aufmarschpläne ist es völlig klar: Die Rote Armee befand sich seit Jahresanfang 1941 in einer kontinuierlichen Aufmarschbewegung gegen den deutschen Machtbereich. Befehle zum Übergang der Armee zum Angriff waren bereits gegeben. Als geplanten Angriffstermin macht Schwipper den Zweitraum am dem 5. Juli 1941 aus.

Das alles ist präzise aufgearbeitet, nüchtern im Tonfall und durchweg argumentativ nachzuvollziehen. Die doppelte Qualifikation des Autors als Offizier und akademischer Historiker hat dies möglich gemacht - einen Knüller eben.