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Vernichtungskrieg

 

Besprechungen:

Dieter Schenk: Hans Frank – Hitlers Kronjurist und Generalgouverneur, Frankfurt 2006, 486 S.

Es ist immer ein Problem, einen Menschen zu porträtieren, den man nicht leiden kann. Dieter Schenks Buch über Hans Frank ist so ein Fall, in dem sich der Autor mit seinem negativen Gesamteindruck einfach nicht zurückhalten kann. Das betrifft nicht nur das natürlich negative Urteil über Frank als Generalgouverneur, sondern zieht sich durch jede Kleinigkeit. Frank gilt dem Autor als verbrecherisch (das sowieso), korrupt, inkompetent, sowie eitel und das gilt auch für dessen „Spießgesellen“, also die NS-Führungsschicht im weiteren.

Es stellt sich die Frage, inwieweit die Darstellung in der Sache daran leidet, und bei Schenk wird man den Eindruck nicht los, dies sei in ganz erheblichem Umfang der Fall. Er beruft sich dabei sehr stark auf Franks Familie, insbesondere die Söhne Niklas und Roman, die sich vom Vater losgesagt haben. Dazu gab es Grund, aber warum Schenk seinen eigenen Beobachtungen zusätzlich regelmäßig negative Spekulationen, etwa über „wahrscheinlich“ gestohlene Uhren oder „vermutlich“ in Franks Anwesenheit deportierte Jugendliche hinzufügen muß, bleibt unerfindlich.

Wer sich ein objektives Bild über das Generalgouvernement machen will, wird sich an anderer Stelle informieren müssen. Schenk stimmt Götz Alys fragwürdigen Berechnungen zu und spricht von einer Ausbeutung des Generalgouvernements, ohne die Investitionen dort zu berücksichtigen, die Frank durchsetzte. Wegen deren Umfang wurde regimeintern der Vorwurf erhoben, er wolle aus dem Generalgouvernement auf Kosten Deutschlands ein Musterland machen. Den Versuch einer Bilanz zwischen diesen Behauptungen hätte man an dieser Stelle erwarten können. Es bleibt bei Schenk bei der Aussage, jeder in der Rüstungsindustrie eingestellte polnische Arbeiter sei „menschenrechtswidrig ausgebeutet“ worden.

Wie sich die von Schenk abschließend festgestellte Bilanz von 3,3 Millionen polnischen Opfern während des Krieges (gemeint sind offenbar Todesopfer) mit der gleichfalls von ihm zitierten akribischen Berechnung des polnischen Kriegsentschädigungsamtes von 1947 verträgt, nach der 22.392 Personen der Intelligenz (dem erklärten Hauptziel des deutschen Terrors) umgekommen seien, erschließt sich ebenfalls nicht. Eine Geschichte des Generalgouvernements und des Gouverneurs steht weiterhin aus.