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Vernichtungskrieg

 

Besprechungen:

Dieter Schenk: Der Lemberger Professorenmord und der Holocaust in Ostgalizien, Bonn 2007

Dieter Schenk publiziert derzeit eine ganze Reihe von Veröffentlichungen, die sich mit der deutschen Polenpolitik der Jahre 1939 bis 1945 befassen, vorzugsweise aus der Perspektive der Verbrechensbeschreibung. Seine Schrift über den Lemberger Professorenmord ist insofern bemerkenswert, als es ihm dabei um eine Einordnung der Tat in die Gesamtumstände geht. Zu diesem Zweck versucht er eine Vorgeschichte der kriegerischen Auseinandersetzungen von 1939 zu schreiben und liefert auch eine Deutung des Unternehmens Barbarossa. Der Professorenmord tritt dadurch etwas zurück.

Bedauerlicherweise liefert Schenk jedoch nur den üblichen Zitatenversatz, mit dem die Existenz einer einseitig kriegsentschlossenen deutschen Führung belegt werden soll. Jeglicher internationaler Hintergrund der Krise von 1939 wird ausgeblendet, jede polnische Kriegsdrohung verschwiegen, vom erwarteten Marsch der polnischen Armee auf Berlin kein Wort. Anders als der Autor zum x-ten mal kolportiert, hat Hitler nicht gedroht, notfalls jeden „Schweinehund“ die Treppe hinunterzuwerfen, der mit einem Vermittlungsplan käme. Er hat selbst einen solchen Vermittlungsplan vorgelegt, den dann der polnische Botschafter nicht zur Kenntnis nehmen wollte.

Dieses Versagen des Autors ist bedauerlich, weil dadurch eine angemessene Einstufung der durch das NS-Regime begangenen Professorenmorde eher erschwert als gefördert wird. Vorausgesetzt, der schwer zu rekonstruierende Tathergang sei im einzelnen so erfolgt, wie Schenk dies in völlig unkritischer Wiedergabe der Unterlagen aus stalinistischer Zeit schildert, dann fehlt immer noch die dringend notwendige historische Aufarbeitung.