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Besprechungen:

Othmar Plöckinger: Adolf Hitlers Mein Kampf – Geschichte eines Buchs, München 2006, S. 632

Das Münchener Institut für Zeitgeschichte trägt sich mit dem Gedanken, eine kommentierte Fassung von Hitlers ‚Mein Kampf’ herauszugeben. Im Vorfeld dazu hat man Othmar Plöckingers Geschichte dieses Buchs veröffentlicht. Dem Anspruch gemäß, liefert Plöckinger im wesentlichen keine inhaltliche Analyse, es geht ihm um die Entstehungsgeschichte, die Publikationsgeschichte und die Aufnahme des Buchs durch Öffentlichkeit, politische Freunde und Gegner des kommenden Diktators.

Beiläufig ist hier eine Geschichte der frühen NSDAP vorgelegt worden, denn der Autor kennt sich in dem Beziehungsnetzwerk gut aus, in dem Hitler sein Buch verfasst hat und politisch arbeitete. Er nennt Orte, Namen vermeintlicher Mitarbeiter und Förderer. Daß Hitler das Buch Rudolf Hess diktiert habe, verweist er in den Bereich der Legenden. Hitler schrieb selbst. Erste Vorlagen für einzelne Kapitel existierten offenbar schon vor der Haft in Landsberg.

Folgt man Plöckinger, so blieb die Rezeption des Buchs vor 1933 erstaunlich gering. Selbst innerhalb der NSDAP wurde es kaum als ideologischer Leitfaden gesehen und auch von anderen in der Regel weniger als Ideologie denn als Autobiographie gelesen. Nach 1933 stieg das Interesse aus nachvollziehbaren Gründen, um deutlich vor 1939 wieder abzusinken, was Plöckinger etwa aus den stark sinkenden Ausleihzahlen aus öffentlichen Bibliotheken ableitet. Den teilweise sehr kontroversen Debatte um fremdsprachige Übersetzungen widmet er eigene Kapitel. Besonders die gekürzte englischsprachige Fassung war Gegenstand heißer Debatten.

Ein sehr empfehlenswertes Stück Zeitgeschichte. Man darf auf die Publikation einer kommentierten Fassung von ‚Mein Kampf’ gespannt sein.