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Vernichtungskrieg

 

Besprechungen:

Arthur Grenke, Völkermord, Weltgeschichte des Genozids (Vorwort von Prof. Dr. Gilbert Gornig), München 2004

Arthur Grenke versucht eine "Weltgeschichte des Genozids". Der Autor nimmt dabei in zwei Kapiteln den Anlauf zu seiner Erzählung, einmal über "Ideologische Genozide, die als Holocaust bezeichnet werden" und dann über "Kolonisierung und Genozid".

Grenke beginnt die Reihe der ideologischen Genozide mit den Überlieferungen in der Bibel über die Eroberung Palästinas. Das Alte Testament liefert bekanntlich eine ganze Anzahl an Beschreibungen darüber, wie dabei im Namen Gottes Völkermord verübt worden sei. Das Deuteronomium erhebt das gar in gewisser Weise zum Programm: "Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott für dich bestimmt," zitiert Grenke eine Stelle, an der die Vernichtungsabsicht an anderen Völkern nur durch ein pragmatisches Argument eingeschränkt wird: "Du kannst sie nicht zu schnell aufreiben, sonst möchten der wilden Tiere dir zu viele werden." Wie im Rahmen von Völkermordbeschreibungen häufig anzutreffen, so ist auch hier die Information darüber schlecht, inwiefern dies zutrifft. Die Bibel ist die einzige Quelle, die solches wörtlich berichtet, und dies nicht widerspruchsfrei, denn das Buch Richter spricht eine ganz andere Sprache über die Besiedlung Palästinas. Grenke neigt dazu, die Völkermordberichte für authentisch und das Buch Richter für die Beschreibung einer späteren Epoche zu halten.

Als weitere ideologische Völkermorde nennt er die Hexenverfolgung in Europa, die Armeniergreuel des Ersten Weltkriegs, die Verfolgung der Kulaken in der stalinistischen Sowjetunion, sowie die Vernichtung des europäischen Judentums. Grenke macht als gemeinsames Merkmal aller dieser Taten aus, daß "die Gruppe, die man zur Vernichtung auserkoren hatte, als Kollektiv betrachtet wurde, das man für stark genug hielt, um die Gesellschaft, die sie ausscheiden wollte, negativ zu beeinflussen." Allerdings gebe es keine Beweise dafür, daß auch nur eine dieser Gruppen zu den Dingen in der Lage gewesen wäre, die man ihnen vorgeworfen habe.

Ein Rezept gegen Völkermord kann Grenke nicht andeuten. Thukydides tat vor mehr als zwei Jahrtausenden die Äußerung, wirkliche Rechtsbeziehungen zwischen Völkern könne es nur zwischen gleichstarken Parteien geben. Daraus läßt sich schließen, daß der Genozid als größtmögliches Unrecht zwischen den Völkern den Augenblicken extremer Machtunterschiede vorbehalten ist, was der seither beobachteten historischen Erfahrung auch weitgehend entspricht. Einen Weg, solche Unterschiede durch eine Deklaration aus der Welt zu schaffen oder wirkungslos werden zu lassen, hat noch niemand gefunden.